| „Bei Buchstabe E: Arbeitstrab nach A, weiter nach X. Bei X Halt und Gruss“, diktiert Kathrin Menet, eine der Verantwortlichen des Reitsports bei Special Olympics, einer Reiterin die Aufgabe in der Dressurprüfung. Die Reiterin lenkt ihr Pferd wie verlangt an den mit Buchstaben gekennzeichneten Punkten in der Halle vorbei, hält in der Mitte der Halle an und grüsst schliesslich die beiden Richterinnen. Es ist ein kühler Samstagmorgen, das Sandviereck draussen vor der Reitsporthalle „Centre Equestre Finger“ ist nach dem Regen vom Vorabend durchnässt und es hat riesige Regenpfützen am Rand. Im Rahmen der nationalen Sommerspiele Special Olympics 2010 finden heute auf dem Reithof in La Chaux de Fonds die Dressurprüfung und die kombinierte Prüfung Dressur und Springreiten, der „Prix Caprilli“, statt. Drinnen in der Halle stehen am einen Ende einige Reiterinnen und warten auf ihren Start. Unter ihnen ist auch Melanie, die im Sommer ins zweite Lehrjahr als Bereiterin kommt. Sie schaut konzentriert, wie eine ihrer Konkurrentinnen im Parcours reitet. Schliesslich diktiert Kathrin Menet der Reiterin, dass sie wieder auf der Mittellinie halten und die Richterinnen grüssen soll. Zeit für Melanie also, sich bereit zu machen. Die ihr zugeteilte Betreuerin führt sie zum Eingang des Dressurvierecks und löst den Haken der Führleine von der Trense des Pferdes. Melanie reitet einige Runden, bis die Richterinnen bereit sind. Dann läutet eine Glocke, für Melanie das Zeichen, dass ihre Dressurprüfung beginnt. Auch sie streckt in der Mitte der Halle wie verlangt den rechten Arm kerzengerade leicht vom Körper ab und senkt den Kopf zum Gruss an die Richterinnen. Dann reitet sie Volten, lenkt ihren Schimmel quer durch die Halle, lässt ihn angaloppieren, traben und dann wieder im Schritt gehen. Die zierliche Reiterin und das Pony bilden ein anmutiges Paar. Am Schluss der Prüfung diktiert die Helferin wieder die Anweisung zum Gruss. Dann ist der erste Teil des Prix Caprilli für Melanie zu Ende. „Ich bin nicht ganz zufrieden mit der Prüfung, das Pony ist einmal nicht ganz sauber angaloppiert. Aber das war vermutlich mein Fehler“, sagt die 17-Jährige im Anschluss an die Prüfung. Vor dem Mittag wird sie dann zum Springreiten antreten. Sie hofft, wie ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten auch, dass es am Ende für eine Medaille reichen wird.
Chantal Hebeisen |